Fotografieren bei wechselhaften Lichtverhältnissen – Fortsetzung
(Teil 2, Fortsetzung von Teil 1, „Fotografieren bei wechselhaften Lichtverhältnissen”: Praktische Tipps)
Der Weißabgleich ist das schwarze Schaf der Familie, wenn es um gute Qualität bei Digitalaufnahmen bei wechselhaftem Licht geht. Man konzentriert sich auf das zu fotografierende Objekt, die Belichtung und die Komposition. An den Weißabgleich denkt man nur nebenbei und überlässt ihn letztendlich einfach der Autofunktion.
Sie haben keine Ahnung, wie oft mir das passiert ist, und dafür gibt es einen guten Grund. Im Gegensatz zu einer schlechten Komposition, einem falschen ISO-Wert oder einer zu geringen Tiefenschärfe kann der Weißabgleich relativ problemlos nachträglich korrigiert werden, besonders mit den Werkzeugen von ACDSee.
Das soll nicht bedeuten, dass Sie den Weißabgleich völlig ignorieren sollten oder dass ein falsch eingestellter Weißabgleich kein Problem darstellt. Das Gute am Weißabgleich in der Digitalfotografie ist jedoch, dass man ihn im Nachhinein sehr einfach korrigieren kann.
Lassen Sie mich kurz erklären, was man unter Weißabgleich versteht. Weißabgleich bedeutet die Anpassung der Kamera an die Farbtemperatur. Die Farbtemperatur wird in Kelvin gemessen („K”). Eine niedrige Farbtemperatur bezeichnet man als warmes Licht. Eine leuchtende Glühlampe strahlt warmes, gelbes Licht aus und hat eine niedrige Farbtemperatur von 2700 bis 3300 Kelvin. Das „kalte”, blaue Licht eines Blitzes hat eine hohe Farbtemperatur von 5500 bis 6000 Kelvin.
Die meisten besseren Spiegelreflex-Kameras bieten verschiedene Methoden zur Anpassung der Kamera an die Messung und Aufzeichnung der Farbtemperatur: durch Voreinstellungen der für verschiedene Lichtsituationen typischen Farbtemperaturbereiche, durch Verwendung des vollautomatischen Weißabgleichs, durch Einstellung der spezifischen Temperatur oder durch Festlegen eines bestimmten Werts für den Abgleich anhand eines Testfotos der Umgebung.
Beim vollautomatischen Weißabgleich sind Sie davon abhängig, dass die Kamera das Umgebungslicht korrekt misst und dann auf der Grundlage des gemessenen Werts den Weißabgleich setzt. Bei gemischten Lichtverhältnissen - wie beispielsweise Sonnenlicht, normalen Glühlampen und Leuchtstoffröhren im gleichen Raum - wäre es in diesem Fall notwendig, dass sich die Lichtsituation nicht ändert, damit die Farbgebung in der Aufnahme korrekt ist.
Wenn Sie eine vorgespeicherte Einstellung der Kamera verwenden (in der Regel ein kleines Symbol mit entweder Sonne, Halogenleuchte, Glühlampe, Wolken usw.), gehen Sie davon aus, dass die Lichtverhältnisse konstant bleiben. Wenn Sie also im Freien fotografieren und den Weißabgleich auf „Sonnenlicht” gesetzt haben, vergessen Sie nicht, die Einstellung wieder zu ändern, wenn Sie daraufhin in Innenräumen bei Halogenlicht fotografieren oder den Blitz verwenden, da sonst die Farbwiedergabe des Digitalbilds Fehler aufweist.
Wenn Sie eine spezifische Farbtemperatur verwenden, muss diese, wie Ihnen sicher bekannt ist, der Farbe des Umgebungslichts genau entsprechen. Die Farbtemperatur wird dabei in der Regel mit einem Kolorimeter gemessen. Das wird jedoch in der Regel nur in Fotostudios oder in professionellen Belichtungssituationen, wie beispielsweise bei Filmsets, durchgeführt.
Und schließlich erhält man durch manuelles Messen den akkuraten Messwert einer Stelle, an der die Farbtemperatur relativ konstant ist. Wenn Sie sich beispielsweise in einem gleichmäßig beleuchteten Raum mit einheitlicher Lichtquelle befinden oder einheitlich beleuchtete Personen fotografieren, können Sie die Farbtemperatur mit der Kamera messen und den Abgleich auf diesen Wert setzen. So gehe ich oft bei bedeutenden Fechtereignissen vor, bei denen die Beleuchtung in der Endrunde einheitlich auf die Fechter gerichtet ist und ich möchte, dass die Anzüge scharf weiß erscheinen. (Bei verschiedenen Kameras wird die manuelle Einstellung unterschiedlich durchgeführt. Lesen Sie im Handbuch nach.) Manche Fotografen verwenden 18%ige Graukarten und nehmen ein Foto auf, für das dann eine Einstellung bestimmt wird. Ich verwende manchmal auch den „ExpoDisc”-Filter, durch den das Umgebungslicht zerstreut wird und sehr akkurat gemessen werden kann, um eine spezifische Einstellung festzulegen.
Wichtig ist, dass Sie, wenn Ihre Kamera nicht über automatischen Weißabgleich verfügt, den Weißabgleich bei jeder Änderung des Lichts ändern müssen, da die Kamera es nicht automatisch tut. Dazu kommt, dass einige Lichtarten wechselhafte Farbtemperaturen aufweisen. Dazu gehört beispielsweise Halogenlicht. Wenn Sie eine Reihe von Bildern mit dem gleichen Weißabgleich bei anscheinend gleichem Licht aufnehmen, erhalten Sie für jedes Foto ein unterschiedliches Resultat. Der Grund dafür ist die sich ständig ändernde Temperatur des Halogenlichts.
Das Sprichwort sagt „Gut begonnen, halb gewonnen”, und tatsächlich ist es hier von großem Vorteil, wenn Sie diese Dinge im Voraus in Betracht ziehen. Bei genauer Kenntnis der Lichtverhältnisse können Sie das Beste daraus machen. Wenn Sie beispielsweise wissen, dass Sie bei Mischlicht und in verschiedenen Bereichen fotografieren werden, ist der automatische Weißabgleich die beste Lösung, selbst wenn das keinesfalls sichere Resultate garantiert. Es ist durchaus möglich, dass Sie in Bildern des gleichen Typs verschiedene Farben erhalten, da das Licht sich ändert. (Diese Änderungen sind teilweise sehr unauffällig.) Bei der Verwendung eines Blitzes wird der automatische Weißabgleich für Blitzlicht gewählt, wenn jedoch eine andere Lichtquelle stärker ist als der Blitz, sind die Farben u. U. vollkommen falsch.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sie den Weißabgleich noch so genau setzen können, wenn das Licht nicht absolut einheitlich ist (was selten der Fall ist), variiert die Farbtemperatur, und das führt u. U. zu unerwünschten Ergebnissen. In diesem Fall kommt ACDSee Pro zum Einsatz.
Nach einer Fechtmeisterschaft lasse ich meine Fotos oft durch eine Weißabgleichkorrektur laufen: Ich verwende die Automatische Tonwertkorrektur innerhalb der Stapel-Belichtungskorrektur in ACDSee Pro (achten Sie dabei darauf, dass Sie Auto-Kontrast- und Farbe angeklickt haben, nicht nur Auto-Kontrast). In den meisten Fällen reicht dies aus, um signifikante Farbvariationen soweit auszugleichen, dass eine Bilderserie, beispielsweise von einem großen Empfang, vollkommen brauchbar ist und die Farben ausreichend einheitlich sind. Wie bereits erwähnt kombiniere ich dies in der Regel mit einer Reduzierung der Bildschärfe in der Nachbearbeitung (nicht wegen des Lichts, sondern um die Kontraste im Foto eine Spur klarer herauszubringen).
Zwangsläufig gibt es natürlich immer wieder Fotos, bei denen die Farbe einfach nicht stimmt. Manchmal macht das nichts, besonders wenn die Farbe relativ einheitlich ist. Beim Fotografieren eines Grand Prix in Paris vor einigen Jahren hatte ich beispielsweise den Weißabgleich auf die weißen Fechtanzüge abgestimmt, und der gesamte Hintergrund erschien blau. Das ist mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen und kam erst auf meinem Computerbildschirm zu Tage. Zuerst war ich furchtbar erschrocken, dann fand ich aber, dass es eigentlich ziemlich gut aussah. Die Farbanpassung des Objekts war perfekt, und ich ließ es, wie es war. Seitdem habe ich solche Situationen viele Male erlebt.
In ACDSee sind weitere Farbanpassungen im Bearbeitungsmodus vornehmen. Oder Sie können die Farbe mittels der Stapelverarbeitung anpassen und dabei auf Wunsch auch einen bestimmten Kelvin-Wert einstellen oder die typischen Voreinstellungen, die auch auf der Kamera verfügbar sind, wie Bewölkt, Sonnig, Fluoreszierend usw., auf alle Bilder anwenden. Beachten Sie jedoch, dass bei der Anwendung einer bestimmten Farbeinstellung oder Voreinstellung per Stapelverarbeitung Fotos, die unter anderen Lichtsituationen aufgenommen wurden, eine entsprechend andere Farbwiedergabe aufweisen, die nicht immer wünschenswert ist.
Bestimmte Farben in den Fotos können mit dem Regler Rot-Grün-Blau zu verschiedenen Graden bearbeitet werden, jedoch ist dies meiner Erfahrung nach oft vergebliche Mühe, da Sie häufig Ihre eigenen Anpassungen korrigieren müssen. Diese Funktion eignet sich, wenn Sie sehr viel Zeit haben oder z. B. ein Foto für eine Ausstellung vorbereiten. Ich empfehle sie jedoch nicht als Lösung für einfache oder grundlegende Farbwiedergabeprobleme.
Kommen wir zum Schluss zurück zu den Arnold Fencing Classics und dem Foto von Gouverneur Schwarzenegger bei diesem Fechtturnier. Ich habe einen Blitz verwendet, und in Kombination mit dem Natriumdeckenlicht hatten die Bilder einen Gelbstich, wie auf dem ersten Foto des den Degen haltenden Gouverneurs zu sehen ist. Durch die einfache Anwendung der automatischen Belichtungskorrektur in ACDSee Pro, wie oben beschrieben, werden die Farben bedeutend genauer. Und genau diese intelligente und problemlose, jedoch extrem wichtige Nachbearbeitung brauche ich, wenn ich beim Fotografieren nicht die genau richtige Wahl getroffen habe …


