30. Juni 2009, 15:22

Fotografieren bei wechselhaften Lichtverhältnissen: Praktische Tipps

Studiofotografie hat seine Vorteile. Einer der größten besteht darin, dass man die Lichtverhältnisse selbst beeinflussen kann. Sie bestimmen Intensität, Farbe und Schatten und behalten die Kontrolle während der gesamten Fotosession. In anderen Worten, Sie können die Lichtverhältnisse in jeder beliebigen Szene, die beleuchtet werden soll, beliebig festlegen. Außerhalb einer derartigen kontrollierten Umgebung sind Sie jedoch den vorherrschenden Lichtsituationen ausgeliefert und müssen Ihre Aufnahmen entsprechend anpassen.


Ich bin Fotograf für den Fechtsport und fotografiere häufig unter schlechten Lichtbedingungen. Oft sind die Lichtbedingungen so schlecht, dass ich mit einem ISO-Wert von 1600 oder darüber arbeiten muss. Dazu kommt, dass sich die Farbtemperatur durch die Innenbeleuchtung in großen Räumen oft innerhalb von Nanosekunden verändert. Dadurch wird es nahezu unmöglich, den Weißabgleich manuell einzustellen oder sich auf den vollautomatischen Weißabgleich zu verlassen.
Diese beiden Faktoren - Weißabgleich und schlechte Lichtverhältnisse - machen dem nicht im Studio arbeitenden Innenfotografen das Leben schwer. Wie lassen sich diese Probleme am besten lösen? Was kann beim Fotografieren getan werden, und was kann später beim Bearbeiten getan werden? Wie erhalte ich bessere Resultate?

(HINWEIS: Dieser Blog besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil beschäftigt sich mit Belichtung und Helligkeit, der zweite mit Weißabgleich.)

Kürzlich habe ich beim 21st Arnold Classic, einem von Gouverneur Arnold Schwarzenegger gesponserten Fechtturnier in Columbus, Ohio, fotografiert. Die Aufnahmen beinhalteten Fechtszenen, Bilder der Teilnehmer und natürlich Arnold Scharzenegger selbst. Die Lichtsituation im Sportzentrum war typisch für große Räume mit hoher Deckenbeleuchtung: Meist zu dunkel für eine Aufnahme mit niedrigem ISO-Wert ohne Blitz und mit sich ständig ändernden Farbtemperaturen. Wie habe ich das Problem gelöst?

Ich befand mich in einem großen Sportzentrum mit recht gutem Umgebungslicht. Ich brauchte keinen Blitz, und hatte die für Gesichtsaufnahmen optimale Belichtung eingestellt.

Bei Innenaufnahmen muss als erstes das Umgebungslicht beurteilt werden. In manchen Fällen kann ein Blitz verwendet werden, wodurch der ISO-Wert niedrig gehalten werden kann. Das verbessert die Bildqualität und verringert Bildrauschen. Es gibt jedoch Situationen oder Bereiche, in denen die Verwendung von Blitzlicht nicht gestattet ist. Generell vermeide ich Blitzlicht nach Möglichkeit, da es die Bilder „flach” macht und die räumliche Tiefe verringert. Darüber hinaus stellt Bildrauschen selbst bei hohen ISO-Werten für professionelle Spiegelreflexkameras (ich verwende eine Canon EOS 1D Mark III) heute kein so großes Problem mehr dar, wie noch vor einigen Jahren. Diese Tipps gelten in erster Linie für Situationen, in denen Aufnahmen ohne Blitz nicht immer möglich sind, wie beispielsweise bei Sport- oder Tanzveranstaltungen in Innenräumen.

Schätzen Sie die Szene vor der Aufnahme ab, machen Sie einige Aufnahmen mit manueller Einstellung und verwenden Sie den niedrigsten ISO-Wert, bei dem die Verschlusszeiten Ihrer Meinung nach noch kurz genug sind, und passen Sie dann die Einstellungen entsprechend an. Wenn sich die zu fotografierenden Personen in einem hell beleuchteten Bereich befinden - wie beispielsweise auf einer Bühne oder im Scheinwerferlicht - müssen Sie die Einstellungen für diesen Bereich anpassen. Sie sollten jedoch auch wissen, welche Einstellungen für gute Aufnahmen außerhalb dieses hellen Bereichs erforderlich sind, falls Sie dort fotografieren möchten.

Wenn die Fechter beispielsweise in der Endrunde auf der Bühne in hellem Licht fechten, kann ich oft mit ISO 400 oder 800 mit weit geöffneter Blende (f/2.8) und Verschlusszeiten von 1/500 oder besser fotografieren. Aufgrund der weißen Anzüge ist ausreichend reflektierendes Licht für die Aufnahme vorhanden. In dem Moment jedoch, wenn ein Fechter das Turnier gewonnen hat und die Maske abnimmt, möchte ich den Ausdruck in seinem Gesicht festhalten und muss die Verschlusszeit in Sekundenschnelle um mindestens zwei Stufen auf 1/250 oder sogar 1/125 verringern.

Bei dieser Fechtaufnahme war es möglich, eine Verschlusszeit von 1/500 zu verwenden, und ich konnte den Stop-Motion-Effekt der Klingen hinbekommen. Beachten Sie jedoch den starken Lichtabfall hinter der Bühne und die ausgeprägten Schatten aufgrund der Deckenbeleuchtung, die sich negativ auf die Gesichtsaufnahme eines Fechters beim Abnehmen der Maske auswirken würden.

Wenn Sie also die Einstellungen bei einer markanten Änderung der Lichtsituation schnell verändern möchten, müssen Sie Ihre Kamera genau kennen und die Lichtverhältnisse gut beobachten. Man wird leicht durch das Geschehen abgelenkt und kann dadurch eine wichtige Lichtveränderung verpassen. Auch eine zu intensive Konzentration auf die LCD bei einer Aufnahme kann dazu führen, dass man Veränderungen im Raum übersieht. Viel Übung ist erforderlich, um die Lichtverhältnisse stets genau einzuschätzen und deren Einfluss auf eine Aufnahme zu beurteilen (das Konzept ist einfach, aber im wichtigsten Moment wird man dann doch immer abgelenkt…)

Nachstehend einige Tipps für Innenaufnahmen bei dunklem Licht oder häufig wechselnden Lichtverhältnissen:

  • In der Betriebsart Blendenautomatik sollten Sie wissen, wie viele Stufen Sie schnell ändern können, um gute Resultate zu erzielen, damit Sie bei Bedarf schnell handeln können. Vergessen Sie nicht, die Einstellung zurückzustellen, wenn die Lichtverhältnisse sich wieder ändern!
  • Verwenden Sie bei schlechten und sich stark ändernden Lichtverhältnissen das RAW-Format und arbeiten Sie später an der Bildqualität. Durch RAW-Dateien erhalten Sie größere Flexibilität und Kontrolle bei der Bildbearbeitung und können Einzelheiten hervorbringen, die durch das dunkle Licht bei der Aufnahme eventuell nicht zum Vorschein kamen.
  • Halten Sie Ihren Blitz bereit, für den Fall, dass Sie ihn brauchen. Wenn er sich in Ihrer Fototasche am anderen Ende des Raums befindet und sich eine Situation für Blitzlicht ergibt, werden Sie bereuen, ihn nicht bei sich zu tragen.
  • Manchmal müssen Sie bei wenig Licht Kompromisse eingehen, um gute Aufnahmen zu erhalten. Der erste Kompromiss ist in der Regel die Erhöhung des ISO-Werts und das damit verbundene starke Bildrauschen. Dies ist jedoch immer noch besser als unverwendbare Aufnahmen oder Aufnahmen mit verschwommenen Aktionsszenen.

Für Gesichtsaufnahmen bei abgenommener Maske verringere ich die Verschlusszeit in der Regel je nach Lichtsituation und Hautton der Person um mindestens zwei Stufen, jedoch war ich hier nicht an Stop-Motion-Aufnahmen interessiert, wie bei einem tatsächlichen Fechtkampf.

 

  • Sprechen Sie, wenn es möglich ist, mit den Beleuchtungstechnikern der Räumlichkeiten. Die Techniker denken manchmal gar nicht daran, dass manche Leute von besseren Lichtverhältnissen profitieren könnte!
  • Machen Sie sich mit den dunklen und hellen Bereichen der Räumlichkeiten vertraut und behalten Sie die dort stattfindenden Aktivitäten im Auge. Wenn Sie eine Aufnahme in einem dieser Bereiche machen möchten, können Sie Ihre Einstellungen dann sehr schnell ändern.
  • Verwenden Sie ein „schnelles” Objektiv für Aufnahmen bei f/2.8 oder besser in allen Zoom-Bereichen (oder ein Prime-Objektiv). Dadurch haben Sie eine größere Chance, eine bestmögliche Aufnahme zu erhalten. Diese Objektive sind jedoch teurer und die Aufnahmen haben außerdem einen geringeren Schärfentiefebereich. Aber das gehört zur Realität beim Fotografieren bei wenig Licht…

Wenn Sie die Aufnahmen von der Kamera heruntergeladen haben, können Sie sie in ACDSee betrachten und entscheiden, was funktionieren könnte und was nicht. Verschiedene Werkzeuge sind verfügbar für die beiden wichtigsten Ziele der Foto-Nachbearbeitung bezüglich der Helligkeit: die Gewährleistung einer möglichst einheitlichen Bilddarstellung sowie das Hervorbringen von Details in Bereichen, die eventuell zu dunkel sind.

Bei der Nachbearbeitung führe ich als Erstes eine Stapelverarbeitung ausgewählter Aufnahmen durch, die ich vorher markiert und in einem Bearbeitungsordner abgelegt habe. Ich verwende grundsätzlich die Funktionen für Scharfzeichnen und automatische Belichtung. Mit diesen Funktionen werden häufig Einzelheiten hervorgebracht und dunklere Aufnahmen automatisch korrigiert (hauptsächlich bei geringfügigen Korrekturen). In nächsten Abschnitt dieses Blogs gehe ich auf Weißabgleich ein und werde auch die Stapelverarbeitung für automatische Belichtung erklären.

Es lässt sich nicht vermeiden, dass einige Bilder nach der Stapelverarbeitung nachträglich bearbeitet werden müssen, um Details herauszuheben. Ich verwende hierzu das Auswahlwerkzeug Lasso, kreise die Bereiche ein, die bearbeitet werden sollen (wie beispielsweise dunkle Gesichter), verwende einen hohen Prozentsatz für die weichen Kanten (z. B. 30 bis 40 Prozent) und arbeite dann mit dem Werkzeug Schatten/Lichter. Mit den Reglern zur Aufhellung kann ich Einzelheiten bei Gesichtsaufnahmen ausreichend gut hervorbringen, und kann dann - das ist das Gute daran - die Aufnahme an die „nachbearbeitete” Person verkaufen, im Gegensatz zu vorher, wo sie im Dunkeln kaum zu sehen war und entsprechend das Foto niemals gekauft hätte. Für mich ist die Funktion Schatten/Lichter damit ein wichtiges umsatzerzeugendes Werkzeug …

Neben diesen Werkzeugen können Sie auch Kurven oder Stufen zur Anpassung verwenden, besonders wenn Sie ein bestimmtes Objekt hervorheben oder mittlere Bereich stärker herausbringen möchten. Ich verwende diese Werkzeuge jedoch nicht so häufig wie die Werkzeuge Schatten/Lichter und automatische Belichtung. Mit dieser Kombination werden in den meisten Fällen die bestmöglichen Ergebnisse erzielt, besonders beim Bearbeiten einer großen Anzahl Bilder.

Und schließlich, wenn ich den ISO-Wert so sehr erhöhen musste, dass das Bildrauschen zu stark wurde, kann ich mit der Funktion „Bildrauschen entfernen” das Rauschen auf der Aufnahme zumindest teilweise entfernen. Seien Sie vorsichtig mit diesem Werkzeug. Wenn es zu stark angewendet wird, verliert das Foto an Bildschärfe.

Hier sehen Sie das Foto eines Kampfrichters, der sich im dunklen Hintergrund des Fechtkampfs befand, vor und nach der Nachbearbeitung. Aufgrund des dunklen Lichts (Blitz konnte nicht verwendet werden) erhöhte ich den ISO-Wert auf 2000 und konnte das Bild bei f/2/8 und 1/250 Sekunden aufnehmen. Zur Bildbearbeitung verwendete ich die Funktionen automatische Belichtung, selektive Schatten/Lichter, Rauschentfernung und Unscharf maskieren. Sie sehen, wie das Bild durch die Aufhellung der Haut und Details der Haare viel mehr Kontrast erhält.

Es folgt der zweite Teil, in dem es um Weißabgleich geht.

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