Über uns knattern die Rotoren, der Pilot gibt uns knisternd und knackend letzte Anweisungen über unsere Helmlautsprecher und dann heben wir ab in die klirrend kalte, klare Bergluft und lassen das im Nebel liegende Tal unter uns zurück. Schon beim Abheben merke ich, dass die Götter der Fotografie wahrhaftig mit uns sind. Denn alles sieht nach einem spektakulären Abenteuer mit Atem beraubenden Lichtkegeln aus, die sich durch die aufgelockerte Bewölkung bohren.
Ich wäre schon zufrieden gewesen, wenn sich der Himmel in den kommenden Stunden nur ein bisschen aufgeklart hätte. Richtig glücklich aber war ich, als ich die Sonne über dem Horizont auftauchen und die Berghänge vor uns bescheinen sah. Debbie saß am vorderen Cockpitfenster und konnte so sogar direkt frontal auf die Szenerie blicken, während ihr der Pilot die Namen der nach und nach ins Blickfeld kommenden Gipfel nannte. Aber unser Hubschrauber hatte ja noch das spezielle Fotografenfenster an einer Seite. Darauf hatten wir nämlich gesteigerten Wert gelegt.
Im Unterschied zu einer konventionellen Bell 206 verfügte unsere über ein zusätzliches bauchiges Fenster, das aus dem Rumpf herausragte. Dadurch boten sich mir, der ich hinten saß, buchstäblich neue Perspektiven. Es gab auch ein kleines Schiebefenster, aus dem ich die Linse oder, falls nötig, die ganze Kamera halten konnte. Dann zerrte zwar der Wind an meinem Arm, aber wenigstens hatte ich nicht mit den Spiegelungen des Fensters zu kämpfen. Ein gewagtes Unterfangen, aber eben manchmal einfach nötig, um Lichtspiegelungen zu vermeiden.
Der gesamte Rundflug dauert fast eine Stunde, und man bekommt von Anfang an spektakuläre Aussichten geboten. Die Hubschrauberstation befindet sich an den Ufern des Abraham Lake, dessen Wasser im Licht der aufgehenden Sonne von einem lebhaft glitzernden Azurblau sind. Wir fliegen nordwärts und sehen uns sofort einer launischen und doch ausdrucksstarken Landschaft gegenüber, durchzogen von himmelblauen Gletschern und steilen Berghängen, die hier und da mit Licht gesprenkelt sind, das sich durch die unbeständige Wolkendecke bohrt.
Während wir weiterfliegen achte ich sorgfältig darauf, dass meine Kameras so eingestellt sind, dass ich nach Möglichkeit nur noch abdrücken muss. Nur in Ausnahmefällen halte ich inne, um sicherzugehen, dass die Aufnahme auch etwas wird. Wenn die Landschaft mit fast 200 Meilen pro Stunde an einem vorbei fliegt, bleibt keine Zeit für Experimente, sonst verpasst man womöglich ein Superbild. Wenn man fliegt, sind so viele Dinge zu berücksichtigen - Dinge, die ich nicht bedacht hatte -, dass man vom eigentlichen Fotografieren allzu leicht abgelenkt wird. Allein das Rütteln des Hubschraubers stellt eine Herausforderung dar.
Die Belichtung muss so schnell sein, dass sie die Erschütterungen ebenso kompensiert wie die horizontalen Bewegungen und die unablässig oben ins Bild ragenden Rotorblätter. Den besten ISO-Wert für das vorhandene Licht und die Flugbewegung kann man letztlich nur austarieren und hoffen, dass es am Ende reicht. Aber ich hatte ja gleich zwei Kameras mit unterschiedlichen Objektiven (Nikkor AF-S DX 12-24 mm F4.0 G sowie Nikkor AF-S 18-200 VR) und fühlte mich für alles gerüstet, was mir vor die Linse kommen würde.


