2. Februar 2009, 02:58

Die Columbia Ice Fields aus der Vogelperspektive - Teil 1

Anfang September beschlossen Debbie und ich, einen Hubschrauber zu mieten und mitten hinein in die Columbia Ice Fields zu fliegen, die tief im Jasper National Park in der kanadischen Provinz Alberta liegen.

Wir fuhren zunächst mit dem Auto vom im südlichen Alberta gelegenen Black Diamond hinauf zu einem Parkplatz, wo wir die Nacht verbringen wollten, um am nächsten Tag gleich ganz früh aufbrechen zu können. Wir hatten die Hoffnung, dass das Wetter mitspielen und uns genug Wolken bescheren würde, um den Himmel interessant zu gestalten. Und gegen ein paar Lichtflecke auf den majestätischen Gipfeln, die wir überfliegen würden, hätten wir uns auch nicht gewehrt.

Morgendlicher Frost hatte die Autoscheiben unseres Vans überzogen. Debbie und ich hatten uns so in unsere Schlafsäcke eingepackt, dass nur noch unsere Nasen herausschauten. »Wow!«, dachte ich beim Anblick unseres zur Decke aufsteigenden Atems. »Das war eine kalte Nacht. Hoffentlich bedeutet das auch einen klaren Himmel!« Durchgefroren stapften wir hinaus in den Nebel, der den Parkplatz umgab. Doch unsere Hoffnung, wenigstens ein paar Sterne zu sehen, wurde enttäuscht. Der Nebel war so dicht, dass wir keinen Blick auf das erhaschen konnten, was uns in den nächsten Stunden erwartete.

Dann hörten wir das Knattern der Hubschraubermotoren. Vergessen war das Frühstück. Wir rissen die Schiebetüren unseres Vans auf und sprangen hinaus. Ein Energieriegel musste reichen. Wir rennen so schnell es geht hinunter zum Hubschrauberlandeplatz. Die Bell 206 ist kaum zu sehen. Zentimeterdick schimmert der Raureif auf dem Helikopter, der den Schnee aufwirbelt wie ein zu früh aus dem Winterschlaf erwachter Bär. Während der Pilot uns Becher mit heißem Kaffe in die klammen Hände drückt, erklärt er uns alle Sicherheitsvorkehrungen. Erst dann dürfen wir, uns unter den sirrenden Rotorblättern duckend, einsteigen. Es wird ein lärmendes Erwachen in einer Welt aus vibrierendem Stahl, bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt.

Mein Sitz ist eiskalt und knüppelhart. In Gedanken gehe ich die Prüfliste meiner Ausrüstung durch. Dieses Abenteuer wird einmalig in meinem Leben bleiben. Da muss ich das Maximum herausholen und darf nichts vergessen haben. Nun muss ich dazu sagen, dass ich nicht gerade ein Frühaufsteher bin. Einzig Kaffee bringt mich um diese Tageszeit einigermaßen auf Touren. Deshalb muss ich dafür sorgen, dass sich die richtige Ausrüstung in meiner Tasche befindet und mögliche Fehlerquellen doppelt und dreifach prüfen. Und mit »mögliche Fehlerquellen« meine ich menschliches oder technisches Versagen.

Ich habe zwei Kameras des Typs Nikon D80 bei mir, dazu mehr Batterien und Flash-Karten, als ich eigentlich brauche, und zusätzlich auch noch ein paar Lee-ND-Grad-Filter. Man kann ja nie wissen. Wie sich herausstellen sollte, war das eine gute Entscheidung. Aber dazu später.

- Tim Schumm

Antworten

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.